Alphaville

 



Alphaville blicken zurück nach vorn. Der Schlüsselsong, in dem die Berliner Band die eigene Vergangenheit, ihr Verhältnis zu den Fans und dem Älterwerden im internationalen Musikgeschäft reflektiert heißt "Carry Your Flag“.

Bereits Ende der siebziger Jahre entstand der Nucleus von ALPHAVILLE an der Berliner Hochschule der Künste, wo die Urfomation mit Marian Gold, Frank Mertens und Bernd Lloyd kurzer Hand beschlossen hatte, statt Skulpturen oder Bilder lieber Musik zu produzieren: "Wir waren absolute Anfänger ohne jede Erfahrung. Nach dem Do-It- Yourself-Geist des Punk...

 

 

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Alphaville blicken zurück nach vorn. Der Schlüsselsong, in dem die Berliner Band die eigene Vergangenheit, ihr Verhältnis zu den Fans und dem Älterwerden im internationalen Musikgeschäft reflektiert heißt "Carry Your Flag“.

Bereits Ende der siebziger Jahre entstand der Nucleus von ALPHAVILLE an der Berliner Hochschule der Künste, wo die Urfomation mit Marian Gold, Frank Mertens und Bernd Lloyd kurzer Hand beschlossen hatte, statt Skulpturen oder Bilder lieber Musik zu produzieren: "Wir waren absolute Anfänger ohne jede Erfahrung. Nach dem Do-It- Yourself-Geist des Punk haben wir unsere Drum-Sequenzen auf einer Zweispur-Maschine geloopt. Es gab ja keinen Drummer! Somit mussten wir auf diese frühe Sampling-Form zurückgreifen, bevor der Begriff `Sampling` überhaupt existierte", erzählt Marian Gold über die Anfänge. Geniale Dilettanten, die nach ihrem Umzug ins westfälische Münster mit "Forever Young" und "Big in Japan" aus dem Stand zwei Welthits veröffentlichten.

Millionen schwere Titel, die ihnen den Status der Studioband mit größtmöglicher künstlerischer Freiheit einbrachte. "Wir haben unser Dasein im Elfenbeinturm genossen, alles ausprobiert und auf den stetigen musikalischen Wandel gesetzt. (...)“Ihr drittes Album "The breathtaking Blue" produzierte der Berliner Ur-Elektroniker Klaus Schulze 1989 und ist seitdem enger künstlerischer Weggefährte für Marian Gold geblieben.

Auf eine filmische Umsetzung ihrer Songs setzte die Band unter dem Titel "Songlines", indem sie die zehn Titel des Albums angesehenen Regisseuren zur freien Interpretation überließen. Darunter befanden sich Koryphäen wie Alex Proyas, Godfrey Reggi und die Gebrüder Lauenstein, deren Beitrag für ALPHAVILLE noch im gleichen Jahr in Hollywood mit einem Oscar als bester Kurzfilm prämiert wurde. ALPHAVILLE bastelten an eigenen Entwürfen, während in den Techno-Clubs der Hauptstadt die frühen Synthie-Pop-Ideen in harte Techno-Grooves transformiert wurden.

"Ich hab die Entwicklung des Techno sehr neugierig verfolgt", meint Marian Gold. "das war spannend am Anfang, eine Art Neuerfindung des Rock`n`Roll. Doch als Band hielten wir Abstand. Uns interessierten mehr die Leinwände in den Kinos und in unseren Köpfen als die Tanzflächen in den Discos."

Seit Mitte der neunziger Jahre touren ALPHAVILLE kreuz und quer über den Globus. Während mit Bernhard Lloyd und Ricky Echolette 1996 die letzten Mitglieder der frühen Formation von Bord gehen. Ihre Positionen nehmen seitdem die Briten Martin Lister und David Goodes ein, dazu kommt der Hannoveraner Jakob Kiersch am Schlagzeug.

Mit dem Album "Salvation" erscheint 1997 eine Rückbesinnung auf klassische ALPHAVILLE-Songs. 2000 folgt das Live Album "Starck Naked" und 2003 schließlich die Webproduktion, bei der die weltweite Fangemeinde die Entstehung eines neuen Albums von den ersten embryonalen Anfängen bis zur endgültigen Fertigstellung live im Internet verfolgen konnte, "Crazyshow". "Seitdem haben wir unseren Sound vorangetrieben, jede Menge neuer Stücke geschrieben und sind bestimmt 20 mal um den Erdball gedüst", resümiert Marian Gold. "Nun ist die Zeit wieder reif ist für einen Angriff auf die Popwelt."

Nach 26 Jahren Bandgeschichte ist das ein beherztes Weitermachen der Klangpioniere der elektronischen Popmusik. Mit ihrem achten regulären Studioalbum "Catching Rays On Giant" kehren Alphaville zurück ins Rampenlicht. "It seems to me that we are changing, there ain't no limit to imagination". Die Flagge wird weitergetragen.

"Es ist ein Neustart, was die Produktionsbedingungen angeht", erzählt Sänger und Songschreiber Marian Gold. "Schließlich konnten wir auf umfangreiches Material zurückgreifen. Eine ideale Konstellation, die sich für eine Band normalerweise nur einmal ergibt: vor dem ersten Album. Insofern ist `Catching Rays On Giant` die musikalische Bilanz der vergangenen 6 Jahre."

Obwohl ALPHAVILLE seit ihrem letzten Studioalbum Salvation kontinuierlich weitergemacht haben ist das ein kleines Comeback. Mit gefeierten Tourneen von Salt Lake City bis Singapur, von Südafrika bis Russland, dem opulenten Sammlereditionen „Crazyshow“ und "Dreamscapes", einem Live Album und weiteren Veröffentlichungen auf dem eigenen Internet-Label. Dazu ein phänomenaler Gig zum 25jährigen Bandjubiläum in der tschechischen Hauptstadt Prag und nicht zuletzt im internationale Festivals Winter 2009.

"Gerade im Ausland müssen wir uns mit den Gespenstern der Vergangenheit nicht herumschlagen. Unsere Musik ist dort wichtiger, nicht das längst vergessene Image aus den achtziger Jahren", sag Marian Gold über den Status von ALPHAVILLE auf der internationalen Pop-Landkarte.

Auf "Catching Rays On Giant" haben ALPHAVILLE ihre komplizierten Forschungsreisen durch die digitalen und analogen Soundwelten in 14 Songs komprimiert. Die eindringlich emotionale Single-Auskopplung "I Die For You Today" steht für diese neue Energie.

"Wir haben Ballast abgeworfen und sehr intuitiv gearbeitet, schnelle Entscheidungen mussten her. Kein langes Herumexperimentieren. Der Druck, wieder in streng terminierten Produktionsprozessen arbeiten zu müssen, hat uns gut getan." so Marian Gold.

Golds biografische Fragmente standen am Anfang. Es sind seine Geschichten, Reflexionen und Typen, welche die Themenwelt von ALPHAVILLE schon immer geprägt haben. „Eternally Yours" greift Themen der berühmten Sonette von William Shakespeare auf und spielt mit deren sexueller Ambivalenz. "Miracle Healing" schildert eine biografische Episode vom weltweiten Tourbetrieb aus dem karibischen Port of Spain. Im hymnischen "Call Me" setzt sich Gold mit der manchmal problematischen Beziehung zwischen Fan und Popstar auseinander. "Dieses oft manische Wechselspiel zwischen Lüge und Wahrheit, brachialen Gefühlen und hoffnungslosen Illusionen ist absolut bezaubernd. Im Guten wie im Bösen."

Mit den musikalischen Entwürfen, die Gold zusammen mit Keyboarder Martin Lister komponierte, entstand auf diese Weise ein neues Grundgerüst. Vorwärts stürmenden Tracks wie "Song For No One" wechseln sich ab mit in sich versunkenen Stücken wie das monumentale "A Handful Of Darkness".

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